[REZENSION] Dumplin’ Go big or go home von Julie Murphy

[REZENSION] Dumplin’ Go big or go home von Julie Murphy

Willowdean – „16, Dolly-Parton-Verehrerin und die Dicke vom Dienst“ – wird von ihrer Mutter immer nur Dumplin’ genannt. Bisher hat sie sich in ihrem Körper eigentlich immer wohl gefühlt. Sie ist eben dick – na und? Mit ihrer besten Freundin Ellen an ihrer Seite ist das sowieso total egal. 

Doch dann lernt sie den sportlichen und unfassbar attraktiven Bo kennen. Kein Wunder, dass sie sich hoffnungslos in ihn verknallt – dass er sie allerdings aus heiterem Himmel küsst, verunsichert sie völlig. Plötzlich macht es ihr doch etwas aus, nicht schlank zu sein.

Um ihre Selbstzweifel in den Griff zu bekommen, beschließt Will, sich der furchteinflößendsten Herausforderung in ganz Clover City zu stellen: Sie will am „Miss Teen Blue Bonnet“-Schönheitswettbewerb teilnehmen und allen – vor allem sich selbst – beweisen, dass die Kleidergröße für das ganz große Glück überhaupt keine Rolle spielt.

„Badeanzüge haben so etwas an sich, das einen denken lässt, man müsste sich erst das Recht verdienen, sie zu tragen. Aber eigentlich ist doch die entscheidende Frage:

Hast du einen Körper?

Dann zieh ihm einen Badeanzug an.“

[Klappentext]

 

 

#bodyshaming ist in aller Munde. Der perfekte Körper; die gesellschaftliche Norm – durch Plattformen wie Instagram wird den Nutzern ein Schönheitsideal vermittelt, welches von immer mehr Personen nachgeeifert wird.
Dünner, perfekter – Schöner!

Seit dem immer mehr Bodyaktivistinnen wie Ashley Graham, Beth Dito oder Tess Holliday sich gegen Schönheitsnormen und für #bodypositivity ausprechen oder Filme wie EMBRACE YOUR SELFE im Kino laufen,  ist das Thema aus Funk & Fernsehen – und auch in meinem Alltag nicht mehr wegzudenken.

[Danke dafür – ihr seid großartig!]

Egal ob klein, groß, dick, dünn – meiner Meinung nach, findet man an jedem Körper etwas Schönes. Etwas Liebenswertes. Jeder der im täglichen Kampf mit sich selbst steht – hört gottverdamt nochmal damit auf! Zeigt Euch selbst die weiße Flagge und erklärt Euch den Frieden. Es ist so anstrengend, nervenaufreibend und kräftezehrend. Umarmt Euch lieber. Liebt euch. Werdet eure beste Freundin / bester Freund. Ich weiß, dass ist oftmals leichter gesagt als getan und genau deshalb habe ich gehofft, dass  Julie Murphy ein Buch geschaffen hat, dass Augen öffnet. Mut macht. Zur Selbstliebe verhilft. Zum Nachdenken anregt.

Oh, ich habe wirklich so gehofft, dass meine Erwartungen erfüllt werden können.

Für mich war Dumplin liebenswert. Echt. Selbstsicher. Zumindest am Anfang des Buches. Mit Sätzen wie

„ich glaube sein Bizeps & meine Hüften haben einiges gemeinsam.  Mal abgesehen von der Fähigkeit Gewicht zu stemmen“

brachte Sie mich immer wieder zum Lachen. Aber auch Sätze wie:

„Wenn ich irgendwas davon gelernt habe in meiner Haut zu stecken, dann ist es das hier: wenn es nicht dein Körper ist, dann hast du ihn auch nicht zu kommentieren. Dick, dünn, klein – völlig egal“

oder

„ Ist das nicht traurig? Es ist als müsste die ganze Welt mit Definitionen versehen werden, damit es für uns alle bequemer ist. Ich nehme an, dass manche Dinge einfach weniger angsteinflößend sind, wenn man Ihnen einen Namen gibt“

haben mir gut gefallen.

Julie Murphy versteht es die Leute zu unterhalten. Das Buch hat eine Leichtigkeit, sodass man sich schnell durch die knapp 400 Seiten durchliest.

Es geht um Willowdean, die von Ihrer Mutter liebevoll Dumplin‘ genannt wird.
Es geht um die Liebesbeziehung zu Bo. Dem schönen Privatschüler, der sich in Willowdean verliebt. Und Sie sich in ihn. Es geht um die Beziehung zu Mitch, der mehr als nur der Freund von Will sein möchte. Um die beste Freundschaft von Ellen und Willowdean. Um die Familie – man wird zu einem Teil von Willowdeans Welt. Aber mir fehlte die Stärke. Die Stimme zu erheben und etwas ändern zu wollen. Man lernt Ihre Unsicherheiten und Schwächen kennen, die ich zu jederzeit nachvollziehen konnte. Welches Mädchen hat sich denn noch nicht unwohl im eigenen Körper gefühlt? Das Ziel von Willowdean, den Schönheitswettbewerb zu bestreiten – wird jedoch am Ende nur beiläufig erwähnt. Freundschaft und Liebe stehen weiterhin im Fokus.

Es sind durchweg gute Ansätze in dem Buch, aber nichts Überzeugendes. Nichts das zum Nachdenken, Mut machen anregt.

Willowdean beschreibt sich selbst als dick. Ist zufrieden mit Ihrem Körper. Zumindest meistens. Kämpft gegen Rüpel an der Schule und versucht andere „Außenseiter“ in Schutz zu nehmen. Willowdean hat ein riesen Herz.  Sie hat eine gewisse Vorbildfunktion, aber die Geschichte wirkt für mich flach. Ohne Tiefe.

Ich glaube „ohne Tiefe“ trifft es wirklich am besten.

Es soll keinesfalls heißen, dass es ein schlechtes Buch ist. Ich bin nur mit anderen Erwartungen heran getreten. Habe mir das gewisse „MEHR“ erhofft, was ich leider nicht finden konnte.

Für Alle, die aber etwas „Leichtigkeit“ mit einem anderen Thema in diesem Gerne suchen – empfehle ich das Buch gerne weiter.
Vielleicht kennt Ihr ja ein Buch, welches zu meinen Erwartungen passt?

Und jetzt mal ehrlich: Wie viel einfacher haben wir es, wenn wir uns selbst keine Steine in den Weg legen. Wegen zu unförmigen Knie – dicken Oberschenkel – schwabbeligen Bäuchen oder hängenden Brüsten. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Mensch da draußen auf seine Art & Weise wirklich schön sein kann.

XX

Lena

 

✰✰✰

drei von fünf Sternen

Randnotiz:

Das Buch wird derzeit mit Jennifer Aniston – als Drama, Musical verfilmt. Ich bin mir noch nicht ganz sicher wie ich das Ganze finden soll.

Aber vielleicht erreicht der Film mich ja mehr, als das Buch 😊

 

Buchdetails:

Einband: gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 400

Erscheinungsdatum: 21.03.2018

ISBN: 978-3-8414-2242-2

Verlag: Fischer FJB

Übersetzer: Kattrin Stier

Preis: 18,99 €

 

Bildquelle: FJB, Julie Murphy (https://m.media-amazon.com/images/S/aplus-media/vc/391aafa0-bd5b-4d7b-b3ca-c924ddcf74d4.jpg)



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